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Pressespiegel unseres Gastspielprogramms "Prima Klima" (2009) Kabarett: Sehr bissig und böse – aber auch richtig gut
von
Nina Henkels
KABARETTUNGSDIENSTAKTEURE:
Jasper Tobias Elbers Der
21-Jährige ist seit sechs Jahren dabei, obwohl er sein Abi lange in der Tasche
hat. „Ich kann einfach nicht aufhören“ grinst er. „Es macht einfach Spaß
mit der Gruppe zu arbeiten. Die soziale Komponente bleibt im normalen
Schulalltag ja leider meistens auf der Strecke. “ Sarah
Frede ist 17 Jahre alt und im Gegensatz zu Jasper neu dabei. „Ich habe eine
sehr große Wut auf die Welt und mich stören echt viele Sachen. Beim Kabarett
kann ich das gut verarbeiten“ erklärt sie mit einer Leidenschaft, die sie
authentisch macht. TERMIN:
Prima Klima: Der Kabarettungsdienst des
Johannes-Rau-Gymnasiums hatte offenbar auch selbst viel Spaß an der Satire.
(Foto:
Mathias Kehren) Wuppertal.
„Wo wir hinkommen, ist es meistens schon zu spät“. Was für einen
Krankenwagen dramatisch wäre, ist für den Kabarettungsdienst des
Johannes-Rau-Gymnasiums genau richtig – Missstände, Ungerechtigkeiten, das
ganz alltägliche Übel der Welt wird durch den Kakao gezogen, mit spitzer Zunge
kommentiert und so wiederbelebt, dass der Zuschauer mit einem Kloß im Hals
lachen muss. Amoklauf
trotz Notfallordner, geht denn das überhaupt?
So
geschehen am Samstag in der Aula des Gymnasiums. Mit einer abwechslungsreichen
Auswahl aus den Programmen der vergangenen sechs Jahre präsentierte die
Satiregruppe ein sehr ansprechendes Kabarett zu Themen, die immer noch oder
wieder aktuell sind. So näherten sich die Schüler auf verschiedene Art und
Weise dem Thema Amoklauf in Schulen an. Mal wurde verzweifelt und vergebens
versucht, den Anweisungen des umstrittenen Notfallordners zu folgen, ein anderes
Mal ging es um sehr subjektive Sichtweisen gegenüber gewaltverherrlichenden
Computerspielen. Sehr
bissig und grotesk wurde es dann bei der fiktiven Show „Deutschland sucht den
Superhitler“. Dort standen dem Publikum verschiedene Ausführungen der Person
Hitler zur Wahl, so wie er gerne in den Medien dargestellt wird: Psychopath,
Dummkopf, Demagoge oder Entertainer. Wem keiner zusagt, dem wurde empfohlen,
einfach die Geschichte neu zu schreiben. Weitere
Kritik, nicht nur an der Medienkultur, übte die Nummer „Hartz
IV-Promi-Dinner“, in der Prominente wie der Deutsche Bank-Vorsitzende Josef
Ackermann und Verona Pooth Tipps für ein Menü mit Kräutern aus dem Stadtpark
gaben. Auch in den anderen Nummern gab es kein Pardon – weder für deutsche
Mallorca-Strandurlauber, die ein ankommendes Flüchtlingsschiff mit einem
Abenteuerurlaub verwechseln, noch für den Geiz-ist-geil-Trend, der zur
Eigen-Blinddarm-Operation aufruft. Hin
und wieder gab es kleine Versprecher, die jedoch charmant überspielt wurden;
die Zuschauer konnten einfach nur staunen über die charismatische und
sympathische Gruppe, deren Professionalität überzeugte. „Man
kann nie Kabarett machen ohne sich selbst mit einzubeziehen“ sagt Leiter
Michael Brischke, der manche Nummern am Klavier unterstützte. Er gründete 1981
die erste Schülerkabarettgruppe „Die Kothener Putzkolonne“, seitdem ist es
seine Berufung „die Liebe zu dem Genre bei den Schülern zu wecken“. Mit
Erfolg, wie man sah und hörte. WZ-Wuppertal, 8.6.2009nach: http://www.wz-newsline.de/?redid=542765&b=2Prima Klima
Wuppertaler Schülerkabarett zu Gast
Grinse-Groteske
mit sicherem Auftritt: Im Mössinger Quenstedt-Gymnasium gastierte am Montag das
Kabarett des Wuppertaler Johannes Rau-Ganztagsgymnasiums.
Mössingen
„Prima Klima!“ nennt dieser „Kabarettungsdienst“ sein Programm. Die elf
Schüler im Alter zwischen 15 und 21 Jahren sind mit ihrem Lehrer Michael
Brischke angereist, der 1993 das Kabarett begründete. Seither haben 92 Schüler
222 Aufführungen der insgesamt 16 Programme zustande gebracht. Brischke legt
Wert auf die Feststellung, dass seine Truppe bundesweit höchstwahrscheinlich
das einzige Pennäler-Kabarett ist, das seine Texte zu hundert Prozent selber
schreibt.Es treten auf der oratorische Schmalztopf Annette Schavan und Frau Merkel (schön parodiert von Robin Smets), die haben nämlich den BEHV-Bildungskoeffizienten aus „Bildung-Einkommen-Herkunft-Vermögen“ ausgetüftelt, um die deutsche Ordnung und Hierarchie zu konservieren. Dann wird der DSD-Superhitler gesucht. Mit Hitler-Bilder, die zur Verharmlosung des Faschismus aufgetischt werden, beschäftigen sich der Obernazi als Psychopath, der beruflich gescheiterte Dummkopf oder der Volksverführer – hier zeigen sich intensive Beobachtung und genaue Analyse. An guten Einfällen für verstanderhellende Szenen leidet es keinen Mangel. Talibanische Terroristen treffen auf kannibalische Finanzberater und bleiben, was die Existenzvernichtung angeht, weit hinter deren Aktivitäten zurück, bis sie dem Rat folgen, sich zu tarnen, eben als Finanzberater, die kriegsgewinnlerisch Aktienkurse einsetzen. Die Schüler nehmen Werbeparolen ins Visier, nennen „Geiz ein geiles Pläsier“, da doch die Schnäppchen aus den geschundenen Knochen der Ausgebeuteten hervorwachsen. Karikieren eine Kochshow für ein „Hartz-IV-Promi-Dinner“ , mit der Zubereitung eines knusprigen Hungertuchs. „Ich bin dein Handy“ ist ein schönes Stückchen über den allerbesten Schatz vieler Menschen, der hier aus der Sicht des Geräts die Beziehungskiste auspackt. Vieles kommt aus dem Schulalltag. Aus dem bürokratiepedantischen Notfallordner der NRW-Schulministerin für die Schadenswechselfälle des schulischen Lebens, mit detailreichen Anweisungen für Attentat, Mord, Geiselnahme, Brandanschlag, schmieden sie eine Grinse-Groteske. In der Zugabe zeigen sie, wie das Lied „Wer hat die Kokosnuss geklaut?“ lauten müsste, würde es nach den Sprachregularien der politischen Korrektheit umgeschrieben. Die Schüler bewegen sich sicher auf der Bühne, haben spürbar Erfahrung im Umgang mit dem Publikum, sie singen gut, vom aufmerksamen Lehrer Brischke am Flügel begleitet, alles ist bis ins Detail ausgetüftelt.
Einige Sketche und
Liedtexte freilich sind zu lang, da geht einiges an Witz unter. Eine gute Sache
insgesamt. Hatte nur einen großen Haken: Es waren viel zu wenig Leute da.
Deutschlehrerin Marena Sunten führte die mangelhafte Anwesenheit auf das
zeitsaugerische G8 zurück, das immer weniger Freizeitraum lasse. Schwäbisches
Tagblatt, Tübingen, 24.6.2009 Schüler mischen oben
mit
Kabarettungsdienst auf Tour Sie gehen noch
zur Schule – aber wenn es darum geht, Zuschauer zum Lachen zu bringen, mischen
sie vorne mit. Jetzt ging der Kabarettungsdienst
(Foto privat) des Johannes-Rau-Gymnasiums sogar auf Tournee. Die Gewinner des
Schülertal-Schulpreises spielten in Tübingen, Reutlingen, Mössingen und
Lauffen. Sechs Aufführungen und fünf Workshops in acht Tagen. Während der
Reise tüftelten die Kabarettisten mit Lehrer Michael Brischke auch am neuen
Programm, das am 19. September in Wuppertal Premiere haben wird. WZ Wuppertal, 11.8.2009 (mit
dem selben Bild)
Acht
Tage lang gastierten die Gewinner des Schülertal-Schulpreises vor allem an
Schulen in Tübingen, Reutlingen, Mössingen und Lauffen. Sechs Aufführungen
und fünf Workshops unter dem Motto„Kabarett selber machen wie geht das?“
waren eine Herausforderung, aber auch eine tolle Erfahrung für die beteiligten
Schülerinnen und Schüler. Die
Reaktionen der Zuschauer und Workshopteilnehmer waren überall sehr positiv. Die
meisten Schulen hätten die Gruppe am liebsten gleich wieder für das nächste
Jahr eingeladen. Das
„Schwäbische Tagblatt“ in Tübingen schrieb am 24. Juni: „An guten Einfällen
für verstanderhellende Szenen leidet es keinen Mangel. Talibanische Terroristen
treffen auf kannibalische Finanzberater und bleiben, was die Existenzvernichtung
angeht, weit hinter deren Aktivitäten zurück, bis sie dem Rat folgen, sich zu
tarnen, eben als Finanzberater, die kriegsgewinnlerisch Aktienkurse einsetzen.
Die Schüler bewegen sich sicher auf der Bühne, haben spürbar Erfahrung im
Umgang mit dem Publikum, sie singen gut, vom aufmerksamen Lehrer Brischke am Flügel
begleitet, alles ist bis ins Detail ausgetüftelt.“ Wuppertaler
Rundschau, 19.8.2009 |